Für Mensch und Natur

Katholikenrat für die Region Heinsberg will die Enzyklika „Laudato si“ mehr in seine Arbeit einbeziehen

Der Tagebau Garzweiler muss entsprechend der  Enzyklika kritisch betrachtet werden. (c) Garnet Manecke
Der Tagebau Garzweiler muss entsprechend der Enzyklika kritisch betrachtet werden.
Di 3. Dez 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 49/2019 | Eva Weingärtner

Der Katholikenrat für die Region Heinsberg setzt sich mit der Enzyklika „Laudato si“ auseinander. In einem Vortrag gab der Theologe Markus Büker den Mitgliedern  einen ersten Einstieg in das Thema. Der Referent für ethisch-theologische Grundfragen beim Hilfswerk Misereor erklärte den Aufbau und zentrale Inhalte.

Der Natur als Schöpfung Gottes gilt die  Enzyklika. Der Mensch ist nur ein Teil davon. (c) Garnet Manecke
Der Natur als Schöpfung Gottes gilt die Enzyklika. Der Mensch ist nur ein Teil davon.

 „Anders als die Naturvölker stecken wir als Christen in dem Dilemma, dass uns die Erde nicht heilig ist“, leitete Lutz Braunöhler, Vorsitzender des Katholikenrats, den Abend ein. Jahrhundertelang sei das Zitat „Unterwerft euch die Erde!“ (nach Gen 1,28) missinterpretiert worden. Denn die Erde sei uns von Gott nur geschenkt und müsse deshalb behütet werden, erklärte Braunöhler. Mit Markus Büker habe man einen ausgewiesenen Fachmann auf dem Gebiet der Enzyklika und auf dem Gebiet „Bewahrung der Schöpfung“ gewinnen können. Was sind die wesentlichen Inhalte der päpstlichen Enzyklika „Laudato si“? Was ist, auf die Region bezogen, daraus umsetzbar? Wo stehen wir vier Jahre nach ihrem Erscheinen und kurz nach der Amazonas-Synode, die von Papst Franziskus als Tochter von „Laudato si‘“ bezeichnet wurde?

Um Antworten auf diese  Fragen zu bekommen, hatte der Katholikenrat für die Region Heinsberg zu seiner öffentlichen Sitzung in Hückelhoven den Theologen Markus Büker eingeladen. Seit 2012 ist Büker beim Hilfswerk Misereor Referent für ethisch-theologische Grundfragen. In seinem Vortrag betonte Büker, dass die Enzyklika anders als andere Enzykliken gelesen und verstanden werden kann. Der Aufbau folge der lateinamerikanischen Theologie Sehen, Urteilen, Handeln, Feier/Gebet. Es gehe um drei Bereiche: „Was sind die Herausforderungen in der Welt?“, „Was sagt die Theologie, Bibelwissenschaft und Philosophie?“ und „Was ist der Auftrag an uns als Katholiken und an die Politik?“

„Die Enzyklika will ein Gesprächsangebot des Papstes an alle Menschen sein“, stellte Büker fest. Interessant sei darin, welche Visionen den notwendigen sozial-ökologischen Wandel in unserer Welt heute leiten können, welche Wege beschritten werden, um der Vision der integralen Ökologie näher zu kommen und ob wir das Richtige tun.  Büker stellte heraus, dass in „Laudato si“ zunächst die menschlich verursachte Umweltzerstörung und dabei vor allem der Klimawandel beschrieben wird. Es geht um ökologische Krisen, Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, Migration, Digitalisierung, Krisen der Demokratien, Armut und Ungleichheit – Trends, mit denen wir die Welt veränderten, deren Treiber die Technik, das Vertrauen auf technische Lösungen, die jetzige Wirtschaft, Konsumismus und die fehlende Ethik und Spiritualität sei. Mit entsprechenden Textpassagen aus „Laudato si“ belegte Büker seine Aussagen. 

 

"Was ist der Auftrag an uns Katholiken und an die Politik?"

Markus Büker 

Der Referent legte dar, dass „Laudato si“ eine Sozial- und Umweltenzyklika mit dem Querschnittsthema Gerechtigkeit sei. Es gehe um ein gutes Leben für alle, für zukünftige Generationen und für ein gutes Leben in einer intakten Natur mit dem Ziel des Welt-Gemeinwohls – letztendlich um die vier Dimensionen: der Mensch  als Person selbst, die Mitmenschen, die Schöpfung und Gott. Zentrale Inhalte von „Laudato si“ seien, dass jeder Mensch, der auf der Erde wohne, angesprochen sei, dass soziale und ökologische Gerechtigkeit untrennbar seien, dass das Klima ein gemeinschaftliches Gut von allen und für alle sei und dass alles mit allem zusammenhänge. Die Enzyklika sei eine Programmschrift der katholischen Kirche für die Erarbeitung neuer Modelle, erklärte Büker, mit Auswirkungen in Politik und Wirtschaft. Mit ihrem Erscheinen 2015 habe die katholische Kirche zunächst nichts daraus gemacht, sagte der Referent. Erst im vergangenen Jahr wurden von der Deutschen Bischofskonferenz zehn Handlungsempfehlungen zu Ökologie und nachhaltiger Entwicklung beschlossen. Mit den Impulsen will der Katholikenrat in der Region nach „Laudato si“-Projekten suchen, um sie bekannt zu machen. „Wir werden mit dem Thema weiter arbeiten“, versprach Braunöhler.