Freiheit für Veränderungen

Der Wandel in der Kirche muss von den Bischöfen ausgehen, die nötigen Impulse können Gläubige geben

Erst las Bernd Mönkebüscher aus seinem Buch, dann kam es zu einer lebhaften Diskussion in der City-Kirche. (c) Garnet Manecke
Erst las Bernd Mönkebüscher aus seinem Buch, dann kam es zu einer lebhaften Diskussion in der City-Kirche.
Di 10. Dez 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 50/2019 | Garnet Manecke

Bernd Mönkebüscher, Priester aus dem Bistum Münster, las in der Citykirche aus seinem Buch „Unverschämt katholisch sein“ und diskutierte mit den Besuchern. Er ermunterte die Frauen und Männer, ihre Vorstellungen von einer liebenden, nicht ausgrenzenden Kirche offen und laut zu vertreten. Das gelte auch für Kritik.

Es könnte sein, dass Bischof Helmut Dieser in Zukunft vermehrt Post auf seinem Schreibtisch findet. Denn Bernd Mönkebüscher ermuntert seine Zuschauer, sich in den synodalen Prozess einzumischen: seine Meinung zu äußern, Vorschläge zu machen und sich die Freiheit zu nehmen, Dinge zu verändern. „Freiheit muss man sich nehmen“, sagt der Priester, und er lebt es vor. Das Cover seines aktuellen Buches „Unverschämt katholisch sein“ ist eine Provokation: die dargestellte Kirchturmspitze ist ein blutroter Lippenstift. Den Titel umrahmt ein rotes Herz, das offenbar mit Lippenstift gemalt wurde. Das ist unerhört und befreiend.  In den gut zwei Stunden Lesungen und Diskussionen zeigt sich, dass Mönkebüscher nicht provoziert um der Provokation willen.

Er will ins Gespräch kommen mit Bischöfen, Priesterkollegen, pastoralen Angestellten, Gläubigen, Ehrenamtlichen und besonders mit denen, die sich von Kirche ungerecht behandelt, ausgestoßen und nicht gewollt fühlen. Derer gibt es viele: Homosexuelle, wieder verheiratete Geschiedene, Priester, die sich verlieben: Sie alle werden ausgeschlossen von der Eucharistie. Letztere verlieren sogar ihre Existenzgrundlage. Ist das mit der Nächstenliebe, dem Kern des Christentums, vereinbar? Wie sieht die Beziehung zu Gott unter diesen Umständen  aus? Es geht um Respekt gegenüber seinem Gegenüber. Es geht darum, sich klar zu machen, wie die Liebe zu Gott wirklich ist. „Die Beziehung zu Gott ist eine Herzenssache“, ist Mönkebüscher überzeugt. „Sie ist mehr als das dickste Blut, stärker als stark.“ Von dem Bild eines strafenden Gottes hält er nichts. „Es geht erst einmal darum, zu hören, was das Herz sagt“, betont der Geistliche. „Wir haben viele Dinge gelernt, von denen man sich freischwimmen muss.“ Das betreffe besonders die ältere Generation, die in den Beichtstühlen mitunter Schlimmes erlebt habe. Er erzählt von seiner Mutter, die krebskrank und voller Schmerzen Gott fragte, was sie denn verbrochen habe. „Was hat man den Menschen eingehämmert, dass sie das als Strafe Gottes sehen?“, fragt er.

Ob Ökumene, Frauen in geweihten Ämtern, die Segnung homosexueller Paare oder der Zölibat: Eine Kirche, die Menschen wegen eines Abweichens einer von Kirche oder Gesellschaft festgesetzten Norm ausschließt, ist keine den Menschen zugewandte Kirche. Das macht der Priester an diesem Abend klar und findet damit beim Publikum breite Zustimmung. Das Bild eines liebenden Gottes lässt sich mit so einem Verhalten nicht vereinbaren. „Was soll das für ein Gott sein, der wegen eines Chromosoms einen Unterschied macht?“, fragt er in Bezug auf das Reizthema Frauen in der Kirche.

In die evangelische Kirche zu wechseln, in der Priester heiraten dürfen und Frauen am Altar zum kirchlichen Alltag gehören, sieht Mönkebüscher nicht als Lösung: „Erstens liegt da eine Bewertung drin. Und zweitens: Warum soll ich mich in meiner Kirche nicht dafür engagieren, dass es anders wird?“ Ein Punkt, den eine Frau im Publikum bestätigt: „Ich will gar nicht in eine andere Kirche. Deshalb sehe ich die positive Wirkung von Maria 2.0.  Ich bin nur traurig, dass es nicht mehr überschwappt und sich mehr Frauen beteiligen.“ Eine wahre Veränderung von kirchlichen Strukturen und Haltungen kann es ohne die Bischöfe nicht geben. Von ihnen müsse der Wandel ausgehen. Den wiederum können die Gläubigen an der Basis anstoßen: Indem sie ihren Bischöfen immer wieder ihre Vorstellungen und Wünsche vortragen – und das in Wort und Schrift. 

Bernd Mönkebüscher: Unverschämt katholisch sein. Anstiftungen, 128 S., Echter Verlag,  Würzburg 2019, Preis: 9,90 Euro